Wenn Stillsitzen gerade das Falsche ist.
Du klopfst mit den Fingerspitzen sanft eine Reihe von Punkten im Gesicht und am Oberkörper ab, während du bei dem bleibst, was gerade drückt. Keine Meditation: Augen offen, Hände beschäftigt, Pausen von Sekunden statt halben Minuten. Für die Anspannung, die zu groß ist, um sie in Ruhe zu betrachten — zehn Minuten vor dem Vortrag, Ärger, der noch im Körper steckt, Grübeln, das nicht aufhört.
Benennen
Du schreibst in ein paar Worten, was gerade drückt — oder wählst eine der fünf Übungen, die es fertig anbieten. Der Text bleibt auf dem Gerät.
Eine Zahl
Wie stark ist es gerade, von null bis zehn? Nur für dich, nur für diesen Moment.
Der Satz vorweg
Flache Hand auf die Brust, langsam kreisen — nicht klopfen — und dabei einen Satz dreimal mitsprechen.
Die Punkte
Mit den Fingerspitzen sanft klopfen: Handkante, Augenbraue, neben dem Auge, unter dem Auge, unter der Nase, Kinnfalte, Schlüsselbein, unter dem Arm. Rundherum, dreimal, während du bei der Sache bleibst.
Die Unterbrechung
Am Handrücken weiterklopfen und dabei: Augen zu und auf, Blick nach unten rechts und links, Augen im Kreis, summen, von sieben rückwärts zählen. Sieht albern aus, hält den Kopf beschäftigt.
Noch eine Zahl
Dieselbe Skala. Hat sich nichts bewegt, sagt Gentle das offen — und hört auf, statt eine vierte Runde zu verlangen.
„Auch wenn mein Kopf nicht aufhört — ich nehme mich, wie ich bin.“
Die Technik kommt aus der Selbsthilfe der Neunziger und wurde dort mit Energiebahnen erklärt. Streicht man diesen Überbau, bleibt eine gut gebaute Übung: Du tust vier Dinge gleichzeitig, die einzeln belegt sind.
Dabeibleiben
Du bleibst ein paar Minuten bei etwas Unangenehmem, statt es wegzuschieben.
Benennen
Du gibst dem, was da ist, ein Wort. Das allein verändert schon, wie stark es sich anfühlt.
Zweitaufgabe
Die Hände sind beschäftigt, der Kopf mit Reihenfolge und Zählen. Für Grübeln bleibt weniger Platz.
Berührung und Atem
Du berührst dich selbst und wirst dabei langsamer — beides beruhigt messbar.
Was die App dazu sagt, steht vor der ersten Runde — nicht im Kleingedruckten:
„Es gibt Studien, die eine Wirkung zeigen, vor allem bei Anspannung vor Auftritten; sie sind meist klein. Ob das Klopfen wirkt oder das Dabeibleiben, weiß niemand genau.“
Dieselbe Haltung gilt für die ganze App: kein Wort über Energie oder Blockaden, keine Heilsversprechen, kein Ton, der so tut, als wüsste er mehr über dich als du selbst. Und weil die Übung absichtlich etwas Unangenehmes nach vorn holt, sagt Gentle auch das: Wenn etwas Schweres dahintersteckt, mach das nicht allein damit.
Fünf Übungen für verschiedene Anlässe
Der Ablauf ist überall gleich; unterschiedlich sind der Satz vorweg, die Länge der Unterbrechung und ob du dein Anliegen selbst eintippst oder die Übung es vorschlägt.
Wenn es hochkocht
Für Anspannung ohne genauen Anlass
Zehn Minuten vorher
Vor Vortrag, Prüfung, Gespräch
Der Kopf dreht sich weiter
Für Grübeln, das nicht aufhört
Der harte Ton
Gegen die eigene Stimme im Kopf
Nach dem Streit
Für Ärger, der noch im Körper sitzt
Die Punkte
Paarige Punkte gibt es links und rechts — eine Seite genügt. Fühlt sich ein Punkt unangenehm an, lass ihn aus oder leg nur die Hand auf. In der App liegen zwei Zeichnungen bei, auf denen jeder Punkt markiert ist.
- 1
Handkante
Außenkante der Hand unter dem kleinen Finger
- 2
Augenbraue innen
Am inneren Ende der Braue, über der Nasenwurzel
- 3
Neben dem Auge
Auf dem Knochen am äußeren Augenwinkel
- 4
Unter dem Auge
Auf dem Knochen unter der Pupille
- 5
Unter der Nase
Zwischen Nase und Oberlippe
- 6
Kinnfalte
In der Vertiefung unter der Unterlippe
- 7
Schlüsselbein
Kurz unter dem inneren Ende des Schlüsselbeins
- 8
Unter dem Arm
Etwa eine Handbreit unter der Achsel
Wann du das besser nicht allein machst
Die Übung holt absichtlich etwas Unangenehmes nach vorn. Das ist der Zweck — aber es ist auch der Grund, warum sie nicht für alles taugt. Wenn etwas Schweres dahintersteckt, gehört das zu einer Person, die zuhört, und nicht in eine App. Bewegt sich nach drei Runden nichts, bricht Gentle von selbst ab und sagt das, statt eine vierte Runde zu verlangen.
Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, kostenlos und rund um die Uhr. In einer akuten Notlage: 112.